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Thema des Monats - August 2014

Vor 100 Jahren sank die Baron Gautsch: Die "Titanic der Adria"

Kroatiens berühmtestes Wrack trägt den Beinamen "Titanic der Adria". Vor genau 100 Jahren lief der Passagierdampfer Baron Gautsch vor Istrien auf eine Mine und sank. Der 13. August 2014 ist ein historischer Tag, den viele Taucher zum Anlass nehmen, zum Wrack hinabzuschweben. Rund um den Jahrestag gibt es zahlreiche Veranstaltungen, die das Datum würdigen.

Routiniert verstaut die Crew die schweren Tauchflaschen. Jeder Mitfahrer kontrolliert ein letztes Mal, ob alles an Bord ist: Bleigurt, Tarierweste und Atemregler sowie natürlich Flossen und Maske.

Am 13. August 1914 ereignete sich vor der Küste Istriens die Schiffstragödie - Foto: Tourismusverband Istrien

Während der Kapitän Kurs auf die Baron Gautsch nimmt, hält der Guide eine Zeichnung des Wracks hoch und beschreibt den Unterwassersportlern, wo sie gleich ankern werden, in welcher Tiefe Oberdeck und Maschinenraum des versunkenen Dampfers liegen und wie lange die Luft voraussichtlich reichen wird.

Es ist ein geschichtsträchtiger Ort, den die Frauen und Männer gleich in ihrer schützenden Neoprenhülle besichtigen werden.

Am 13. August 1914, gut zwei Jahre nach dem Untergang der Titanic und kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, ereignete sich vor der Küste Istriens eine Schiffstragödie. Der Überlebende Hermann Pfeiffer schildert in seinen Anfang 2014 postum erschienenen Erinnerungen ("Halte Dich dicht an mich und eile! Der Untergang der Baron Gautsch", Braumüller, 18,90 Euro), wie ein Donnerschlag durch den Schiffskörper fährt: "Der Dampfer liegt ganz auf Backbord. Steil ragt vor uns, fast senkrecht das Verdeck wie eine Mauer auf."

Der Österreicher war mit seiner Familie auf dem Weg von der Insel Veli Lošinj nach Triest, als der Passagierdampfer mit 306 Menschen an Bord auf eine Mine auflief und vor Rovinj in der Adria versank. Hermann Pfeiffer und sein dreijähriger Sohn überlebten, während die junge Ehefrau und Mutter ertrank. Insgesamt kamen bei der Katastrophe, die offenbar durch schwere Fehler des Kapitäns und seines Ersten Offiziers verursacht wurde, 147 Menschen ums Leben.

Im Gegensatz zum Titanic-Wrack, das nur mit Tiefsee-U-Booten erreichbar ist, sind die Überreste der Baron Gautsch bei einer Maximaltiefe von 42 Metern für Sporttaucher zugänglich. Für den Unterwassertrip in der offenen und manchmal bewegten See brauchen sie allerdings einige Taucherfahrung. Nach sämtlichen Sicherheitschecks lassen sich die Unterwasserabenteurer einer nach dem anderen an einem Seil ab, bis sich im tiefblauen Wasser die Umrisse des 85 Meter langen und zwölf Meter breiten Riesendampfers abzeichnen.

Ein geschichtsträchtiger Ort: Das Wrack der Baron Gautsch - Foto: Tourismusverband Istrien

Im Leuchtstrahl der Unterwasserlampen kommen Zauber des Verfalls und neu erwachtes Lebens farbenfroh zum Vorschein: Ein dichter Bewuchs aus Schwämmen und Muscheln überzieht die Reling und am Oberdeck jagt ein Schwarm Dorsche vorbei. Als die Wracktaucher durch Dinnersaal und Rauchsalon der Baron Gautsch schweben, werden Erinnerungen an Zwirbelbärte und Federhüte wach. Eine faszinierende Zeitreise, die sie beenden müssen, als allmählich die Luft knapp wird.

Vom 12. bis 14. August stehen am Wrack der Baron Gautsch, das nur von Tauchbasen mit Sondergenehmigung angesteuert werden darf, mehrere Memorial-Tauchgänge auf dem Programm. Zudem sind anlässlich des Jahrestags am 13. August eine Gedenkmesse sowie ein festliches Abendessen im Ferienresort Istra auf der vor Rovinj gelegenen Insel Sveti Andrija geplant.


Beschreibung des Tauchplatzes Baron Gautsch mit GPS-Daten und dem Hinweis auf Tauchbasen, die das Wrack ansteuern.

Umfassende Informationen über Veranstaltungen rund um den 100. Jahrestag des Untergangs.



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