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Thema des Monats - Juni 2011

Hum: Kopf-an-Kopf Rennen in der kleinsten Stadt der Welt

In der kleinsten Stadt der Welt steht das größte Event des Jahres unmittelbar bevor. Am 11. Juni entscheidet sich, wer neues Stadtoberhaupt von Hum wird. Die traditionelle Bürgermeisterwahl in dem Zwergenstädtchen, dessen Einwohnerzahl zwischen 17 und 23 schwankt, gehört zu den touristischen Geheimtipps in Istrien. Aber das verschlafene kroatische Örtchen ist auch zu anderen Jahreszeiten einen Ausflug wert.

Hum aus der Vogelperspektive - Foto: Kroatische Zentrale für Tourismus / Milan Babić

Am Ende der Glagoliter-Allee, so der Name der malerischen Landstraße, die die uralten Ortschaften Roč und Hum verbindet, gelangen Besucher zu einem schweren Kupfertor. In der Mitte die Türgriffe in Form von Ochsenhörnern, oben zieren zwölf Medaillons das Stadtportal von Hum. Die Reliefs zeigen das Landleben im Jahreszyklus. Die meisten Touristen verschlägt es Mitte Juni in die laut Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde kleinste Stadt der Welt.

Wenn die Bürger in der Stadtloggia zur Wahl ihres Stadtoberhaupts schreiten, das traditionsgemäß einmal im Jahr neu gewählt wird, können Urlauber zuschauen, welcher der Männer - alte Sitte ist es auch, dass ausschließlich Männer gewählt werden - am meisten auf dem Kerbholz hat. Für jeden der beiden Kandidaten steht ein Holzstab bereit, Raboš genannt. Die Stimmabgabe erfolgt mit einem gebogenen Schnitzmesser. Wer am Ende des Tages die meisten Kerben für sich verbuchen kann, gewinnt das Kopf-an-Kopf-Rennen und darf sich ein Jahr lang Präfekt von Hum nennen. Das Spektakel mit anschließendem Volksfest beginnt am Nachmittag und dauert bis in die späten Abendstunden.

Venezianischen Glockenturm in Hum

Das nur 100 mal 35 Meter große Gelände des Hügelstädtchens besteht aus zwei Gassen, einer Kirche, einem venezianischen Glockenturm und der Stadtloggia. In der Friedhofskapelle aus dem 12. Jahrhundert sind die glagolitischen Inschriften sehenswert. Die aus Kreisen, Dreiecken und Kreuzzeichen bestehende Glagoliza-Schrift diente seit dem 9. Jahrhundert dazu, die slawische Bevölkerung vom Christentum zu überzeugen. Das erste kroatische Buch wurde in den magischen Zeichen gedruckt.

Den Schlüssel für die Friedhofskapelle erhalten Besucher übrigens in der Gaststätte, kroatisch Konoba, von Hum. Reisende sollten es nicht versäumen, in dem gemütlichen Lokal mit Aussichtsterrasse ein Gläschen Mistelschnaps zu kosten, der nach uralten Rezepten hergestellt wird. Humska biska, so der kroatische Name des Kräuterelixiers, wird außerdem als Souvenir zum Mitnehmen angeboten.

Schriftstein an der Glagoliter-Allee bei Hum - Foto: Kroatische Zentrale für Tourismus / Sergio Gobbo

Jenseits des kupfernen Stadttors von Hum sind ein Spaziergang auf der sieben Kilometer langen Glagoliter-Allee in den Nachbarort Roč sowie ein Ausflug ins nahe gelegene Kotli wunderschön - in der malerisch an einem Wasserfall gelegenen Gaststätte von Kotli stehen istrische Spezialitäten wie Rotweinsuppe und Fuži-Hütchennudeln auf der Speisekarte. Tagesausflügler, die zur Wahl des Stadtoberhauptes anreisen, kommen am besten etwas früher nach Hum, um die Umgebung des Städtchens zu erkunden.

Webseite der Stadt Hum (Kroatisch).



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